• 20. - 22. September 2020
  • Brandboxx Salzburg

Warum gelingt der alpinen Mode die

Renaissance par excellence?

Weg von digitaler Pseudo-Geborgenheit hin zu traditionellen Wurzeln: Wenn Mode ein Spiegel der Gesellschaft ist, dann bilden Dirndl und Lederhose wohl ein Antidot zum Weltgeschehen. Ein Blick hinter den Siegeszug der alpinen Mode.  

Text von Sylvia Nachtmann, Freie Journalistin

©Reed Exhibtions Austria / Marco Riebler
Ein Gegenpol zum Weltgeschehen: Mit dem Leitthema „Home of Alpine Lifestyle“ sticht die diesjährige „Tracht & Country“ genau in jenes Lebensgefühl, das die alpine Mode so erfolgreich macht. 

 

Verunsicherung überall. Man mag’s nimmer hören: Klimawandel, Kriege, Migration, Trump, Bolsonaro und Konsorten! Bedrohte Regenwälder, schwindende Gletscher...

Lieber suchen wir nach Verlässlichkeit, Geborgenheit. Da fällt uns die Heimat wieder ein. Heimat – das neu gedachte Wort, Heimat als Zufluchtsort. Als Antidot zur Zerrissenheit. Ein Gegenpol zum durchwachsenen Weltgeschehen, dem auch die diesjährige Tracht & Country in Salzburg Rechnung trägt. Mit dem Leitthema „Home of Alpine Lifestyle“ sticht die Messe genau in jenes Lebensgefühl, das die alpine Mode so erfolgreich macht.
 

Mode – ein Spiegel der Gesellschaft

Aber wie kommt es überhaupt zu dieser Renaissance der alpinen Mode? Mode ist doch „nur“ ein Gefühl, doch das ist stark. Mode ist der Ausdruck der Identität wie auch des Zeitgeistes – keine Mode ohne Sehnsucht. In unsicheren Zeiten wächst die Sehnsucht nach Romantik, gesteigert bis zur Nostalgie. Beständigkeit und Vertrautheit, Authentizität, Ehrlichkeit – keine Pseudo-Geborgenheit im Digitalen, sondern echte Verwurzelung spüren. Es kommt zu neuer Wertschätzung alter Handwerkstechniken und Symbiosen zwischen großen und kleinen Herstellern.
 

Eine Marke positionieren

Ist der aktuelle Hype des „Alpine Styles“ also eine Reaktion auf globale Turbulenzen? Fast alle bejahen das. Markus Meindl von Meindl Fashion mit Sitz in Kirchanschöring widerspricht: „Unser Erfolg hat nichts mit Verunsicherung zu tun oder weil Tracht ein Trend ist, sondern weil wir es gut machen.“ In Meindls Fall, weil man weder Tracht noch Mode sondern eine Marke geschaffen hat, „so haben wir uns positioniert und so werden wir gesehen, modern und zeitgemäß.“ Und noch etwas: „Wir haben viel getan, dass auch die Jugend ihren Spaß an Fashion hat.“ Kunden sind heute besser informiert und sie bestimmen.
 

Hochwertiges für Generationen

Meindl stellt wie viele seiner „Alpin-Kollegen“ keine Wegwerfartikel her, sondern Hochwertiges für Generationen, echte Erbstücke. Da kann auch mal etwas repariert oder geändert werden. Meindl: „Wer Service nicht versteht, wird à la longue keine Kunden haben“, so seine Message. Leder, Loden, Felle, Baumwolle bezieht man aus „Produktionen, die wir kennen“, in Italien, Österreich, Deutschland, Frankreich. „Und unsere Kraft ziehen wir aus dem Spannungsfeld zwischen Archaischem aus den Bergen und Pulsierendem aus der Stadt.“ Allgemein gesprochen: Hinter allem steht eine Firmenphilosophie. Was man nach außen vertritt, muss auch im Hintergrund stimmen. Es leben, nicht nur reden.
 

Grenzenlose Strahlkraft

Tracht und aus Tracht entstandener Lifestyle werden zu einem mächtigen Gegenstrom wider flatterhafte Kurzlebigkeit. Stimmen „Produkt, Marke und Philosophie zusammen, dann ergibt sich überregionale Strahlkraft.“  Langfristig denkende, erfolgreiche Anbieter wissen das. Wenn „Heimat“ offen bleibt und sich von keiner Gruppe vereinnahmen lässt, wird sie zum lebendigen Ort und wird es auch bleiben.