• 20. - 22. September 2020
  • Brandboxx Salzburg

Tracht & Country Aussteller machen Masken zum Trend

Die aktuelle Lage rund um Covid-19 macht die Bedeckung von Mund und Nase unumgänglich. Reed Exhibitions hat dazu mit drei Ausstellern der „Tracht & Country“ gesprochen, die in der Not kreativ sind.

 

Text von Verena Raffl, Content- & Brandmanagement 

©Ploom
Ploom Trachten kreiert diese Tage mit viel Liebe auch Mundschutz

Wir kennen ihn in allen Farben und Ausführungen, den Mund- und Nasenschutz. Er soll uns und unsere Mitmenschen vor Viren schützen. Schnell wurde aber klar, dass die aus dem OP-Saal bekannten Exemplare optisch kein Highlight sind. Designerinnen und Designer aus aller Welt wurden daher kreativ und kreierten Mundschutzmasken, die nicht nur schützen, sondern auch dem Auge guttun. Auch in Österreich und im benachbarten Bayern hat die Produktion von Schutzmasken an Fahrt aufgenommen. Besonders in der hiesigen Trachtenbranche finden sich sehr elegante, kreative und witzige Beispiele. Reed Exhibitions Österreich hat dazu mit drei Ausstellern der „Tracht & Country“ gesprochen und dabei beherzte Hintergründe entdeckt.
 

Am Zeitgeist orientiert

Üblicherweise werden Dirndlkreationen von Tanja Pflaum, Inhaberin und Seele von Ploom Trachten, mit viel Liebe zum Detail gefertigt. In diesen Tagen wird in der Dirndlmanufaktur in Salzburg und München zugeschnitten, gebügelt, abgesteppt und verpackt. Aber nicht Dirndln, sondern Mundschutzmasken aus 100 Prozent Baumwolle in bunten Dirndlstoffen, umweltfreundlich in Papier verpackt, einzeln oder im Familien-Set erhältlich. Die Designerin orientiert sich bei ihren Entwürfen am Zeitgeist und verbindet das Design der alten Handwerkskunst der Trachtenschneiderei mit aktuellen Modetrends. Die hochwertig produzierten Stoffe werden ausschließlich von heimischen Unternehmen bezogen und in Europa genäht. 
 

Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen

Pflaums Kreationen leben von extravaganten Farbkombinationen. Das ist bei der Produktion der Masken nicht anders. Auch hier liegt der Fokus auf Design und Qualität. Das spiegelt sich in den Verkaufszahlen und Abnahmeländern wider. Pflaum verzeichnet Kundinnen und Kunden aus Österreich, Deutschland, Südtirol und der Schweiz, welche die Ploom-Designs auch in Covid-19 Zeiten zu würdigen wissen. Was Pflaum aus der Krise, die anfänglich für das Unternehmen einen 100%igen Umsatzeinbruch zur Folge hatte, mitnimmt: „Besondere Situationen brauchen besondere Maßnahmen. Auch eine Krise hat ihr Gutes, und es ist wichtig nie das Positive aus den Augen zu verlieren. Ich persönlich hoffe, dass die Menschen anfangen umzudenken, und wieder mehr auf Regionales zurückgreifen.“ 
 

©Litzfelder, Münchner Strickmoden
Mit kostenlosen Mundschutzmasken wird soziale Verpflichtung beim Münchner Strickmoden Traditionsbetrieb groß geschrieben.
 

Münchner Strickmoden setzt auf soziale Verpflichtung

Mit dem Slogan „Der Tradition und Qualität verpflichtet“ wirbt das Münchner Label „Litzlfelder“ bereits seit über 70 Jahren und ist aus der Trachtenbranche nicht mehr wegzudenken. Die Covid-19 Zeit machte aus dem Strickwaren-Unternehmen, das für feine Merino- und Schurwolle bekannt ist, eine Produktionsstätte für Mund- und Nasen-Schutzmasken. „Die Nachfrage war so immens, dass wir uns erst einmal darauf einstellen mussten“, erzählt Mariele Litzlfelder gegenüber Reed Exhibitions. Die Chefdesignerin bei Strickmoden steht übrigens zu ihrer sozialen Verpflichtung. „Wir haben sehr viele Masken an Risikogruppen verschenkt“, erzählt sie. In Zeiten wie diesen ist Zusammenhalt wichtig und da fühlt sich das Münchner Label als Manufaktur und Familienbetrieb besonders angesprochen. 

 

Neufindung in Zeiten von Corona

Neben sozialen Verpflichtungen liegt der Fokus auf dem wirtschaftlichen Überleben des seit 1938 bestehenden Betriebs. Das auf Strickwaren ausgelegte Familienunternehmen musste sich während Corona also kurzerhand neu erfinden, auf Baumwollstoffe zurückgreifen und personelle Ressourcen neu einteilen. Über klassische Anfragen hinausgehend, verbuchte der Münchner Strickwarenbetrieb auch spezielle Aufträge: So wurden Masken aus Hemdenstoff für einen Zustelldienst, besonders bunte Masken für Kinder, Masken aus Brillenputztüchern für einen regionalen Optiker produziert. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, die Funktionalität steht dennoch im Vordergrund: „Wir konnten nicht jede Anfrage technisch umsetzen“, erklärt Litzlfelder. Die Schutzfunktion habe ganz klar Priorität gegenüber modischen Aspekten. Trotzdem ist der Münchner Betrieb sehr stolz auf seine trendigen Masken aus traditionellen Stoffen. Und die Absatzzahlen geben Mariele Litzlfelder und ihrem Team recht.
 

©Hanna Trachten
Omas Traditionsstoffe als Mundschutz bei Hanna Trachten
 

Omas Erbe als Schutz in Krisenzeiten

Ein weiteres heimisches Beispiel: Hanna Trachten. Ein Familienbetrieb, der sowohl exotische, wie selbst produzierte Stoffe mit traditionellen Schnitten verknüpft. Gegenüber Reed erzählt der Kopf des Familienunternehmens Constanze Kurz von schlaflosen Nächten, Online-Shopping-Wahnsinn und anfänglichen Herausforderungen. Dabei begann alles nur mit einem Versuch mit Omis Vintage Stoffen. Kurz probierte ein paar Mundschutzmodelle aus, stellte sie in den Online-Shop und eine Stunde später veränderte sich die Welt von Hanna Trachten schlagartig.
 

Produktion von 10.000 Masken

„Innerhalb von drei Tagen hatten wir so viele Bestellungen, dass wir drei Wochen lang nonstop daran arbeiten mussten.“ Die Rede ist von 10.000 Masken. Aufgrund des unerwarteten Ansturms an Bestellungen, hatte das Traditionsunternehmen mit anfänglichen Schwierigkeiten zu kämpfen: kein Lager, die unbekannten Weiten des Onlineshoppings, spärlich verfügbare oder ausverkaufte Rohstoffe und deren steigende Preise, lange Lieferzeiten aufgrund der hohen Nachfrage und dann noch die Aufgabe ein erweitertes Team aus Künstlerinnen und Künstlern sowie Selbstständigen zusammenzustellen, ohne jegliche Vorerfahrung. 
 

Mode für Menschen mit Herz

„Trotz der langen Wartezeiten, der vielen Vertröstungen und Verzögerungen und auch offen gestanden nicht immer bester Qualität durch Anlaufschwierigkeiten, waren 99% außerordentlich nachsichtig und verständnisvoll und das hat mich sehr berührt“, erzählt Kurz. „Wir machen Mode für Menschen mit Herz und die habe ich durch zahlreiche Anrufe und in langen Nächten beantworteten Emails kennen lernen dürfen. Hoffentlich lerne ich die meisten dieser Menschen in Zukunft auch persönlich kennen, um ihnen zu zeigen, dass wir bei Hanna Trachten eigentlich jeden Wunsch erfüllen.“ 
 

Omas Stoffe als langgehüteter Schatz

Wer also eine MNS-Maske von Hanna Trachten besitzt, „der besitzt auch ein Stückchen Erbgut von Omi“, wie Kurz sie liebevoll nennt. Viel Herzblut und Emotion steckt in diesem Stückchen Stoff, so sind die Stoffe aus alten Steppstoffen kreiert, echtes Vintage wohlbemerkt. „Die Stoffe waren mein Schatz, den ich jahrelang behütet habe und nicht verarbeiten wollte. Nun hat er seine Aufgabe gefunden. Die Stoffe sind nicht nur hübsch, sondern schützen auch Menschen – das ist ein sehr schöner Gedanke“, sagt Kurz stolz, die neben der Maßschneiderei in Salzburg auch eine Schneiderei in Wien betreibt.
 

Absage des Oktoberfestes trifft Branche hart

Eines haben aber alle Ausstellerinnen und Aussteller der „Tracht & Country“ gemeinsam: die Absage des Oktoberfestes. Bayerns fünfte Jahreszeit sowie die Absage von Volksfesten und traditionelle Veranstaltungen trifft die Trachtenbranche besonders schwer. Wesentliche Umsatzgrundlagen bleiben aus. „Man kauft sich einfach gerne ein Dirndl zum Oktoberfest“, sagt Tanja Pflaum. Mit dessen Absage und der Absage von Volksfesten fehlen die Gelegenheiten ein Dirndl zu tragen.“ Ein Grund mehr in Zeiten wie diesen den Begriff „Zusammenhalt“ neu zu prägen. Er steht für Unternehmen, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Kundinnen und Kunden beweisen, dass die Bewältigung einer Krise gemeinsam möglich und viel leichter ist.