• 20. - 22. September 2020
  • Brandboxx Salzburg

Die große Chance der Tracht

Wenn es um die Mode geht, kann Tracht immer wieder aus dem Vollen schöpfen. Warum ausgerechnet in diesen Zeiten?

Text von Sylvia Nachtmann, Freie Journalistin

© Reed Exhibitions/ Felix Braune
Tracht in fundierter Qualität hat Macht über die Zeiten. 

Wenn die internationale Mode auf Elemente aus Barock, Rokoko oder Renaissance zurückgreift, wie aktuelle Luxuslinien es soeben tun, verfügt die Tracht über ihr eigenes, fest gewachsenes Stil-Repertoire. Alles da, was die Mode verlangt: Retro-Details wie Rüschen, Spitzen, Schleifen, bauschige Puffärmel, Blumendessins und Materialmix, Karos à la Rosegger, Wachau oder Leinenwebe, nichts ist fremd im Tummelgarten der Tracht! Feminine Formen, aktuelle Anglerhüte, Combat-Boots, Aran-Cardigans und, auch wieder da, das Kostüm – wenn das kein Aufruf ist an die Profis der Tracht!

Jede Krise bringt Neues

Historisch gesehen,  brachte jede Krise Neues hervor, in allen Sparten der Kunst und auch in der Mode. Mehr noch – der Kunst wird nachgesagt, sie habe Sensoren für Zukünftiges. Und so zeichnete sich schon vor unserer Corona-Krise, speziell im Bereich der Trachtenmode ein neues Bewusstsein inmitten globaler Verunsicherung ab.

Sehnsucht und Orientierung

Praktizierende Vordenker, Designer und – legitim zu sagen – Philosophen der Branche sind nicht erst heute Verfechter des Echten, Puren, Hochwertigen genauso wie der Fairness gegenüber Umwelt, Natur und Mensch.

Längst versuchen sie, Materialeinsatz, CO2-Verbrauch und Human Resources in Balance zu bringen und Nachhaltigkeit mit Reparierbarkeit bis zur „Vererbbarkeit“ hochwertiger Stücke umzusetzen. Tracht in fundierter Qualität hat Macht über die Zeiten.

Trittbrettfahrer werden kaum Orientierung vermitteln oder ihr Brand Building in den Dienst der Erfüllung von Sehnsüchten stellen. Man sollte aber nie vergessen: Mode spiegelt die Sehnsüchte der Gesellschaft und ihrer Zeit. Nach Krisen bedeutet das: Orientierung, Verlässlichkeit, Beständigkeit.

Was ist Stil?

Stilveränderungen nach der Französischen Revolution, nach den Weltkriegen, nach dem Vietnamkrieg waren mehr als oberflächlich. Sie waren Expression. Sie wurden zu Stil.

Aber was ist Stil? Coco Chanel hat es so ausgedrückt: „Stil ist das, was bleibt, wenn die Moden vergehen.“ Doch eine Mode hat es immer schon gegeben: In unseren Breiten steht die Tracht da wie ein „Stammbaum“ unserer Bekleidungsgeschichte, der schon wilde Stürme überstanden hat. An seinen „Verästelungen“ der Tradition lässt sich eine gediegene Mode erschaffen, quasi als „Erholung“ von Jogginghose und den mit Pseudoarmut kokettierenden Fetzenjeans. In Krisen rückt Wohlstand in ein neues Licht und will gezeigt werden.