• 28. - 30. August 2020
  • Messezentrum Salzburg

News

Kein Greenwashing beim Alpenstyle
 

Sechs Highlights der Tracht & Country
 

Warum gelingt der alpinen Mode die Renaissance par excellence?

Phänomen Tracht: Wie Gegensätze die alpine Mode formen  

Mit welchen Neuheiten die heurige Tracht & Country lockt

Kein Greenwashing beim Alpenstyle

Die Textilindustrie muss sich neu erfinden. Der Ruf nach Nachhaltigkeit wird immer lauter. Clever, wer da schon mit neuen Geschäftsmodellen die Bühne betritt. Ein Blick in das grüne Novum der Tracht, das eigentlich gar keines ist. 

Text von Sylvia Nachtmann, Freie Journalistin

©Reed Exhibitions Austria / Marco Riebler
Nachhaltigkeit als Maßstab für eine neue Zielkundschaft: Die Messe „Tracht & Country“ widmet sich schon seit längerem dem Thema Nachhaltigkeit und bringt alle Stakeholder dazu an einen Tisch. 

 

Seit Greta Thunberg und ihre Mitstreiter das Weltgeschehen erobern, gilt es noch schneller auf den Zug der Öko-Trends aufzuspringen. Anders da die Trachtenmode. Sie steht aus Tradition für Nachhaltigkeit. Das grüne Novum ist hier keine Unbekannte. Der Trachtenbranche ist bewusst: unsere Wurzeln sind nachhaltig! Und trotzdem wird das Thema Nachhaltigkeit die diesjährige Salzburger Messe Tracht & Country noch stärker formen als bisher. Die Lederhose aus Hanf war nur der Anfang.
 

Die Tracht konnte es immer schon

Aus ihrer Historie kommend, setzt Tracht auf natürliche Materialien wie Leinen, Baumwolle, Hanf, Seide, Leder, Wolle heimsicher Provenienz. Dazu gesellt sich, vor allem bei jungen Designern und Herstellern, neu gedachte Wertschätzung und der Einsatz teils ökologisch zertifizierter Materialien. Manufakturen erhalten neue Aufträge, Lieferketten werden transparent. Der CO2-Fußabdruck nachvollziehbarer. Nachhaltigkeit wird zum raffiniert gedachten Geschäftsmodell, das so mancher Hersteller bereits für sich entdeckt.
 

Eigene Manufaktur, Recycle-Kunststoff

Tradition und Innovation verknüpfen sich bei dirndl + bua. Seit jeher hat man im Fokus, „Ressourcen zu schonen und Schuhe nachhaltig herzustellen. Das ist für uns kein Trend, sondern tagtäglich gelebte Realität“, betont Thomas Huber. Erzeugung in Italien und in der eigenen Manufaktur, wenige Kilometer von der Österreichischen Grenze entfernt sowie Leder vorwiegend aus Italien – dies spart Transportwege. Interessant: „Als neues Material in punkto erneuerbare Ressourcen, setzen wir zur Herstellung unserer neuen Leichtsohlen einen italienischen Schaumstoff ein, der überwiegend aus wiederverwertbaren Industrieabfällen gewonnen wird.“ 

©Grenz/gang
"Glokal – Global orientiert – Lokal wertgeschöpft": Ein heimisches Projekt, das eingesessenen Manufakturen neue Aufträge beschert.

 

Langlebigkeit und kurze Wege

Unter dem Motto „Glokal – Global orientiert – Lokal wertgeschöpft“ bringt ein junges Team aus dem Allgäu und Südtirol unter dem Label „Grenz/gang“ zeitlose Mode in den Handel, die Produktionsstellen liegen innerhalb eines Gebietes mit Fünf-Stunden-Radius. Bernhard Steiner: „Der Kunde hinterfragt die Angebote und erkennt seine Verantwortung beim Kauf.“
 

Neue „alte“ Stoffe: Dirndl & Lederhose aus Hanf

Hanf gilt als unfassbar ökologisch, man braucht 1000 Mal weniger Wasser als Baumwolle in Produktion und Anbau, keine Pestizide, Hanf wächst wie Unkraut und ist klimaunabhängig. Zur Zeit der Monarchie wurde Hanf häufig eingesetzt und inzwischen für Dirndl-Oberteile, Jacken und Joppen, Hosen und Blusen wiederentdeckt. Vor Jahren schon machte eine „Lederhose“ aus Hanf Furore. Wie wäre es mit Hanf-Sneakern?
 

Leinen und Brennnessel-Stoff

Guido Schwettmann, seit vielen Jahren Aussteller auf der Tracht & Country, konzentriert sich auf zertifizierte Ware, Baumwolle, Leinen und Brennnesselstoff. Er schneidet zu, bedruckt mit schadstofffreien Farben und näht zusammen: „Saubere Ware – sauberes Arbeiten. Ich möchte keine Stoffe, die ausgasen.“ Wer will das schon? Apropos Brennnesselstoff: „Früher war er ein Ersatzstoff. Heute ist er hip.“

Zu den interessanten wiederentdeckten Materialien zählen auch geschlagene Baumwolle, wie sie zur Zeit der Mount Everest-Erstbesteigung Bergsteigern geschätzt wurde oder Deutschleder, ein robustes Baumwoll-Atlasgewebe.

©Reed Exhibitions Austria / Marco Riebler 
Für eine nachhaltige Zukunft: Der CO2-Fußabdruck wird immer mehr zum Verkaufsargument – auch in der Textilbranche. 

 

Qualität hat ihren Preis

Damit hochwertige (Trachten-)Hanfmode nicht wohlhabenden „Bobos“ und „Artsy-fartsy“-Typen vorbehalten bleibt, arbeitet die Forschung daran, Hanfprodukte für den kleineren Geldbeutel zu entwickeln und für Studenten findet sich sogar ein Rabatt im Portefeuille. Gute Idee? Michael Schragger von The Sustainable Fashion Academy fordert von der Mode brutal ein Umdenken: „Rethink or Die“. Oscar Wilde meinte sinngemäß: Viele kennen den Preis, wenige den Wert. Doch Letztere werden mehr, wie es scheint. 

Sechs Highlights der Tracht & Country, die Sie nicht verpassen sollten

Die neue Edition der Tracht & Country 2020 verwandelt Salzburg dieses Jahr in ein „Home of Alpine Lifestyle“. Veranstalter Reed Exhibitions Austria macht das Thema zum Programm und lockt mit sechs Highlights Fachbesucher zum Messebesuch. 

© Reed Exhibitions Austria_Marco Riebler
Ein absolutes Besuchermuss und Highlight jeder Tracht & Country: Die Modenschau mit den neuesten Trends der Branche.

 

1. Alpine Lifestyle Lounge

Reed Exhibitions Austria lädt herzlich auf einen Kurzurlaub in die Alpen ein. In der neuen Alpinen Lifestyle Lounge in Halle 3 können Besucher zwischendurch Energie in gemütlicher Atmosphäre tanken. Ein Ort, für eine kleine Auszeit abseits der Messe, ideal für inspirierende Gespräche. 
PLUS: Für süße und saure Naschkatzen gibt es am Freitag eine g‘schmackige Coney-Verköstigung in der Lounge. 

Wo: Halle 3
 

2. Piazza Stand für Kaffeeliebhaber

Die Messe Tracht & Country lässt Ihre Besucher Kaffeevielfalt im wohl kleinsten Kaffeehaus Österreichs – das Espressomobil -  Kaffeevielfalt genießen.

Wo: Halle 2
 

3. Gewinnspiel mit Viktoria Hutter

Sie ist eine der wichtigsten Fashion Bloggerinnen Salzburgs. Viktoria Hutters Instagramprofil folgen mehr als 308.000 Menschen. Diese Plattform können Messebesucher nun nutzen. Reed Exhibitions Austria verlost ein exklusives Posting mit Viktoria. Gewinnspielkarte direkt auf der Messe ausfüllen und Reichweite für Ihr Handelsunternehmen gewinnen.


4. Innatex Showroom

Nachhaltigkeit liegt voll im Trend, so auch in Salzburg. Nach einem positiven Start 2019 gastiert der Innatex-Showroom nun zum zweiten Mal auf der Tracht & Country in Halle 01. Innatex gilt als Inbegriff von Nachhaltigkeit im Textilsektor. Hier werden nicht nur der klassische Bekleidungssektor abgedeckt, sondern auch interessante Produktgruppen gezeigt.

Wo: Halle 1

5. Exklusive Modenschau

Ein absolutes Besuchermuss und Highlight jeder Tracht & Country: Die Modenschau mit den neuesten Trends der Branche. Mit Witz und Charme führt die erfolgreiche aus TV und Radio bekannte Moderatorin und Influencerin Sasa Schwarzjirg.

Wo: Täglich um 11 und 14 Uhr - Halle 1


6. Beauty Corner

Die US-Kultmarke IT Cosmetics zeigt Flagge auf der Fachmesse in Salzburg und lädt Fachbesucher zu sich in den Beauty Corner ein. Sind die Make-up Produkte wirklich den Hype wert? Auf der Tracht & Country können Sie es am Samstag herausfinden. 

Wo: Halle 1

Warum gelingt der alpinen Mode die

Renaissance par excellence?

Weg von digitaler Pseudo-Geborgenheit hin zu traditionellen Wurzeln: Wenn Mode ein Spiegel der Gesellschaft ist, dann bilden Dirndl und Lederhose wohl ein Antidot zum Weltgeschehen. Ein Blick hinter den Siegeszug der alpinen Mode.  

Text von Sylvia Nachtmann, Freie Journalistin

©Reed Exhibtions Austria / Marco Riebler
Ein Gegenpol zum Weltgeschehen: Mit dem Leitthema „Home of Alpine Lifestyle“ sticht die diesjährige „Tracht & Country“ genau in jenes Lebensgefühl, das die alpine Mode so erfolgreich macht. 

 

Verunsicherung überall. Man mag’s nimmer hören: Klimawandel, Kriege, Migration, Trump, Bolsonaro und Konsorten! Bedrohte Regenwälder, schwindende Gletscher...

Lieber suchen wir nach Verlässlichkeit, Geborgenheit. Da fällt uns die Heimat wieder ein. Heimat – das neu gedachte Wort, Heimat als Zufluchtsort. Als Antidot zur Zerrissenheit. Ein Gegenpol zum durchwachsenen Weltgeschehen, dem auch die diesjährige Tracht & Country in Salzburg Rechnung trägt. Mit dem Leitthema „Home of Alpine Lifestyle“ sticht die Messe genau in jenes Lebensgefühl, das die alpine Mode so erfolgreich macht.
 

Mode – ein Spiegel der Gesellschaft

Aber wie kommt es überhaupt zu dieser Renaissance der alpinen Mode? Mode ist doch „nur“ ein Gefühl, doch das ist stark. Mode ist der Ausdruck der Identität wie auch des Zeitgeistes – keine Mode ohne Sehnsucht. In unsicheren Zeiten wächst die Sehnsucht nach Romantik, gesteigert bis zur Nostalgie. Beständigkeit und Vertrautheit, Authentizität, Ehrlichkeit – keine Pseudo-Geborgenheit im Digitalen, sondern echte Verwurzelung spüren. Es kommt zu neuer Wertschätzung alter Handwerkstechniken und Symbiosen zwischen großen und kleinen Herstellern.
 

Eine Marke positionieren

Ist der aktuelle Hype des „Alpine Styles“ also eine Reaktion auf globale Turbulenzen? Fast alle bejahen das. Markus Meindl von Meindl Fashion mit Sitz in Kirchanschöring widerspricht: „Unser Erfolg hat nichts mit Verunsicherung zu tun oder weil Tracht ein Trend ist, sondern weil wir es gut machen.“ In Meindls Fall, weil man weder Tracht noch Mode sondern eine Marke geschaffen hat, „so haben wir uns positioniert und so werden wir gesehen, modern und zeitgemäß.“ Und noch etwas: „Wir haben viel getan, dass auch die Jugend ihren Spaß an Fashion hat.“ Kunden sind heute besser informiert und sie bestimmen.
 

Hochwertiges für Generationen

Meindl stellt wie viele seiner „Alpin-Kollegen“ keine Wegwerfartikel her, sondern Hochwertiges für Generationen, echte Erbstücke. Da kann auch mal etwas repariert oder geändert werden. Meindl: „Wer Service nicht versteht, wird à la longue keine Kunden haben“, so seine Message. Leder, Loden, Felle, Baumwolle bezieht man aus „Produktionen, die wir kennen“, in Italien, Österreich, Deutschland, Frankreich. „Und unsere Kraft ziehen wir aus dem Spannungsfeld zwischen Archaischem aus den Bergen und Pulsierendem aus der Stadt.“ Allgemein gesprochen: Hinter allem steht eine Firmenphilosophie. Was man nach außen vertritt, muss auch im Hintergrund stimmen. Es leben, nicht nur reden.
 

Grenzenlose Strahlkraft

Tracht und aus Tracht entstandener Lifestyle werden zu einem mächtigen Gegenstrom wider flatterhafte Kurzlebigkeit. Stimmen „Produkt, Marke und Philosophie zusammen, dann ergibt sich überregionale Strahlkraft.“  Langfristig denkende, erfolgreiche Anbieter wissen das. Wenn „Heimat“ offen bleibt und sich von keiner Gruppe vereinnahmen lässt, wird sie zum lebendigen Ort und wird es auch bleiben. 

Phänomen Tracht: Wie Gegensätze die alpine Mode formen

Ob „Jaga“ oder Businesslady, Alpinist oder aristokratische Braut: Die alpine Mode ist ein Evergreen. Im Rahmen der Tracht & Country hat Reed Exhibitions Austria versucht diesem Phänomen auf den Grund zu gehen. Warum ausgerechnet Gegensätze und Widersprüche die Tracht in ihrem Erfolg formen. 

Von Sylvia Nachtmann, Freie Journalistin

©Reed Exhibtions Austria / Marco Riebler
Was ist das Geheimnis des Trachten-Evergreens? Eine Harmonie der Gegensätze, die sich von Materialien und Formen bis zu den Anlässen und Trägern aller Schichten zieht?

Tracht ist ein Evergreen. Auch Trachtenmode und alle Alpine Styles sind „immer frisch“. Jeder Evergreen beruht auf einem ganz speziellen „Geheimnis“ – was könnte hier zugrunde liegen? Kann man es auf der Tracht & Country lüften? Im Ansatz wenigstens? Vielleicht ist es die „Harmonie der Gegensätze“, die sich durch und durch zieht, von den Materialien und Formen bis zu den Anlässen und Trägern aller Schichten? Aber wie kann das sein? Eine „Harmonie der Gegensätze“ trägt den Widerspruch schon in sich! Allerdings nicht, wenn es sich um Alpine Styles handelt – ein Phänomen der Tracht &Trachtenmode. Nur sie schafft es, Gegensätzliches in berückende Harmonie zu bringen – zu sehen immer wieder auf der Tracht & Country.

Eine Harmonie der Gegensätze

Eigentlich unglaublich – und doch wahr. Die Tracht vereint Gegensätze aus Tradition und Moderne. Tracht ist in unseren Breiten für alle da, vom „Jaga“ bis zur Businesslady, vom Alpinisten bis zur aristokratischen Braut, für Groß und Klein, für Jung und Alt, für alle Anlässe ... von der Alm bis zur Yacht, rural und urban, bäuerlich oder Schloss-affin, Tradition mit Charme und Witz und ehrlicher Seriosität, rupfiges Leinen und Seidenbrokate, Liebe zum (handgefertigten) Detail und andrerseits Purismus, Dezenz und Raffinesse und Edelkitsch, sexy Dekolletés und Hochgeschlossenes, Haferlschuhe und Sneakers, Ankle-Boots und Wadlstutzen, Hirschhorn und Froschgoscherln ... Ja, gibt es etwas Lebendigeres als unseren Alpine Style? Wohl kaum!
 

Tiefwurzler, Ideale und Emotionen

Ebenso bunt ist das Angebot auf der Tracht & Country, ebenso vielfältig geben sich Aussteller und Besucher dieser Messe. Denn eines ist sicher: Tracht wird gelebt, und das macht sie so erfolgreich, so beliebt, so sehr mit verwurzelten Idealen und Emotionen verknüpft. Die Wurzeln, ach ja, von denen spricht man gern in Zusammenhang mit der Tracht – na, klar! Wer hat, der hat! Und darf darauf hinweisen. Die Wurzeln der Tracht gehen tief, Tracht und alles daraus hervor Gewachsene zählt zu den Tiefwurzlern, wie all die starken Bäume, die so schnell kein Sturm umhaut. 

©Reed Exhibtions Austria / Marco Riebler
Schon alleine das Dirndl, Liebkind der Saisonen, vereint Gegensätze in sich: schlank und anliegend im Oberteil, weit ausschwingend im Rock.

 

Vom Bauernhof bis zu Kaisers Schloss

Es begann in grauer Vorzeit mit der bäuerlichen Tracht und strengen Kleidervorschriften, bescheiden und ohne Zier. Vor etwa 200 Jahren wurden endlich weiße und schwarze Spitzen genehmigt, seidene Strümpfe waren noch bei Strafe verboten. Zur gedämpften Naturfarbigkeit von Wolle, Loden und Leinen gesellten sich Blau und Zinnoberrot, das seidene Halstuch wurde im 18. Jahrhundert genehmigt. Mit hellen Rokokofarben, Spitzen und Blümchen begann sich auch die Liebe zum Detail durchzusetzen.

 

Steirerhut als Taufgeschenk

Dann kam Erzherzog Johann. Er soll seinem Großneffen, dem späteren Kaiser Franz Joseph zur Taufe einen Steirerhut geschenkt und ihn 16 Jahre später zur Jagd eingeladen haben, unter der Vorgabe, in steirischer Gebirgstracht zu erscheinen. Franz Joseph gehorchte und blieb zeitlebens ein „Trachtler“. Franz Joseph, das Vorbild seiner Untertanen – und alle Fashionistas seiner Zeit taten es ihm gleich. Die Tracht für Bauern und nun auch für den Adel, für Holzknecht und Bürger, für Land und Stadt – ein Gegensatz?

 

Feeling und Formensprache

Schon alleine das Dirndl, Liebkind der Saisonen, vereint Gegensätze in sich: schlank und anliegend im Oberteil, weit ausschwingend im Rock. Dazu die Kontraste der Stoffe, Farben und Dessins an einem Stück, Unis und Musterungen, eingewebt oder gedruckt, variierend zwischen Korpus, Rock und Schürze oder monochrom. Auch haarige Wolle, flauschiger Loden und samtiges Leder, weiche und feste Qualitäten, stellen sich in harmonischen Gegensatz zu schlichtem Leinen, bedruckter Baumwolle, Jacquards und feinen Seidengeweben und Brokaten.

Details wie Knöpfe aus Horn, Holz und Metall sind dezenter Aufputz, und die Möglichkeiten sind grenzenlos. 

©Reed Exhibtions Austria / Marco Riebler
Es leben die Kontraste! Kontraste der Stoffe, Farben und Dessins an einem Stück, Unis und Musterungen, eingewebt oder gedruckt, variierend zwischen Korpus, Rock und Schürze oder monochrom.

 

Purismus und Edelkitsch

Denken wir „Operettendirndl“ à la Weißes Rössl und Münchner „Wies’n-Dirndl“ mit ihrem überschwänglichen Aufputz, an reich geschmückte Folklore-Dirndl, üppige Kropfspangen, Charivaris und Gamsbärte für urige Herrenhüte. Und an die puristischen Designtrachten heutiger In-Kollektionen – ein Gegensatz? Die „kurze Lederne“ und edle Lederjacken und Joppen, Lederkleider und Accessoires stehen eng verbunden mit den Materialquellen von einst, auch heute absolut hip und hochwertig.

 

Auch Qualität hat Tradition

Hier ist es angebracht auf ein zusätzliches Merkmal der Tracht und Trachtenmode hinzuweisen: Es ist die Qualität, die aus der Tradition kommt und gerade von jungen Leuten wieder geschätzt und ausgeführt wird. Qualität zum Vererben, Regionalität at its best – vom heimischen Materialeinsatz, teils ökologisch zertifiziert, gefertigt in nahen Werkstätten und Manufakturen, handwerklich ausgearbeitet bis zur Verzierung, wie etwa Federkielstickereien, kontrastierende Garnstickereien oder figurale Steppmotive, handbedruckte Stoffe, geknüpfte Fransen ... die Liste ist lang und fortsetzbar.

 

Wenn der Jaga und die Businesslady ...

... der Freeclimber und die Managerin ... was sind das bloß für Leute? Allesamt People mit Pep, die gestern, heute und morgen für alle Anlässe mit Tracht auf einen Nenner bringen, vom Job über die Freizeit bis zum hohen Fest. Diffizilstes Handwerk und digitale Welt, Nostalgie und Hightech – kein Gegensatz. Da leben die Sportsgeister aus alten Bergsteigerfilmen auf, es schwingen Kleider à la 50er Jahre mit minimalen Trachtensymbolen, dazu Accessoires mit Wert und Witz. Feste Schuhe zum wetterfest-sportiven Ausschreiten, bunte Ballerinas mit ziselierter Schnalle, elegante Pumps mit Ziersteppung – wirklich für jede Situation das optimale Outfit, vom Fuß bis zum Kopf, denn Hüte gehören auch dazu, wärmend in Loden oder in leicht geflochtenem Stroh als Schutz vor der Sommersonne. Und über allem steht die Freude – die Freude am Detail, die Freude am Gesamten, an der Gestaltung und die Freude am Auftritt. Vielleicht haben wir jetzt das Geheimnis des Evergreens Tracht & Co gelüftet, wenigstens ein bisschen?

Mit welchen Neuheiten die heurige Tracht & Country lockt

Lebensgefühl statt Produktzirkus: Mit einem frischen Konzept, einer neuen Lounge will die Messe ein alpines Lebensgefühl vermitteln. Ob das auch gelingt? Category Managerin Clara Wiltschke im Interview. 

Text von Elisabeth Baumann-Rott, Content & Brand Manager Reed Exhibitions Austria 

©Reed Exhibtions Austria / Marco Riebler
Die Tracht & Country mit Wohlfühlfaktor: Category Managerin Clara Wiltschke lädt heuer in den Messehallen auf einen Kurzurlaub in den Alpen ein. 

 

Reed Exhibitions Austria: Frau Wiltschke, die neue Edition der Tracht & Country will Salzburg in ein „Home of Alpine Lifestyle“ verwandeln. Wie wollen Sie alpines Lebensgefühl in eine kahle Messehalle bringen?

Clara Wiltschke: (lacht) Da lassen Sie sich mal überraschen. Bei der diesjährigen Tracht & Country laden wir sozusagen auf einen Kurzurlaub in die Alpen ein.

 

Dürfen wir uns also auf Hüttengaudi freuen?

Wiltschke: Fast. Zum einen gibt es das einzigartige Angebot an alpinem Lifestyle bei den Produkten unserer Aussteller und zum anderen unsere neue „Alpine Lifestyle Lounge“ in Halle 3. Dort können Besucher frische Energie bei einem gemütlichen Drink tanken und eine Auszeit für einen Austausch abseits der Messe nutzen.

 

Sie werben mit einer Wohlfühl-Atmosphäre. Welche Mittel sollen denn diese Atmosphäre erzeugen?

Wiltschke: Das beginnt bei ganz einfachen Dingen, wie beispielsweise Lounge-Musik in allen Bereichen. Indem wir die Ausstellerflächen optimiert haben, gewähren wir auch eine bessere Besucherorientierung. Außerdem gibt es heuer zum ersten Mal in jeder Halle einen Rückzugort.

 

Wie ein Piazza-Stand oder eben die Alpine Lounge?

Wiltschke: Richtig. Hier können Besucher kurz dem Messegeschehen entfliehen und Energie tanken.

 

Nachhaltigkeit wird in der Textilbranche mittlerweile großgeschrieben. Was leistet Ihre Messe hier?

Wiltschke: Kennen Sie den Innatex Showroom?

 

Innatex ist in der Fachwelt für nachhaltige Textilien bekannt …

Wiltschke: … und nach unserem erfolgreichen Launch im Herbst 2019 wird diese Kooperation fortgeführt. Hier gibt es dann aus erster Hand die neuesten Trends in Sachen Nachhaltigkeit und Ökologie.

 

Neuen Schwung bei der Modenschau soll mit Moderatorin Sasa Schwarzjirg kommen.

Wiltschke: Nicht nur mit ihr. Wir haben uns auch ein neues Konzept überlegt. Dazu möchte ich aber noch nicht zu viel verraten. Die Modenschauen bleiben definitiv ein Must-See für alle Trachtenliebhaber und Fashionistas.

 

Wie man munkeln hört, konnten Sie einen coolen Deal mit der Influencerin Viktoria Hutter (Anm. 308.000 Instagram-Follower) erzielen?

Wiltschke: Richtig gehört. Wir konnten Viktoria Hutter nicht nur für einen Gastauftritt gewinnen, sie steht auch für ein Gewinnspiel zur Verfügung. Fachbesucher haben die Chance auf einen Instagram-Post mit ihr. Ein digitales Reichweiten-Zuckerl quasi.

 

Apropos Zuckerl: Heuer können sich Besucher im Bereich der Modenschau Schminktipps geben lassen.

Wiltschke: Wir konnten die US-Trendmarke IT Cosmetics für einen Beauty Corner gewinnen. Hier können sich Besucher erstmals kostenlos beraten und schminken oder sich einfach das Make-up auffrischen lassen. Eben ein Wohlfühlfaktor.

 

Vielen Dank für das Gespräch!